Von Bier, Behörden und Banken     (Ralf Störzbach Lindenbräu Waldbronn)

Kochen

Die Kochzeit war veranschlagt auf maximal drei Monate. Dies war auch zwingend nötig,
denn wir verschoben das Eröffnungsdatum mehrfach und ich wollte unbedingt den 11.11.
als Fixpunkt haben.

Außerdem ist es gut, einen unausweichlichen Fixpunkt zu suchen, denn das erhöht die
Arbeitsmotivation ungemein. Besonders in der letzten Woche vor der Eröffnung, in der es noch
aussah, als ob da niemals eine Gasthausbrauerei entstehen würde.

Wäre man nicht selbst im Dauerstress, man hätte schmunzeln können, wenn man beobachtet,
wie 5 verschiedene Firmen gleichzeitig versuchten, auf 125 qm Fläche all das nachzuholen,
was sie die Monate zuvor verschlampt hatten. Augen zu und durch.

An dieser Stelle muß ich eine kleine Anekdote erzählen, die meine "studierten" Kollegen
sicherlich amüsant, meine "Handwerkskollegen" bestimmt weniger erbaulich finden werden.
Als nämlich fast alles fertig war, begann die Episode "Handwerkskammer".

Ich rief eines morgens bei der IHK in Karlsruhe an und erkundigte mich, ob ich irgend etwas in
Richtung Mitgliedschaft unternehmen müßte. Die Dame dort erkundigte sich bei mir, was ich
betreiben wollte, eine Brauerei oder eine Gaststätte? Ich erklärte ihr, daß es eine Brauerei
UND eine Gaststätte sei, sie konnte damit nichts anfangen und veband mich mit dem Chef.

Der meinte, da ich eine Brauerei und eine Gaststätte betreiben würde, müßte ich Mitglied in
der IHK UND in der Handwerkskammer sein.
Aber ich sollte doch mal bei der Handwerkskammer anrufen und mich dort erkundigen.

Die Dame von der Handwerkskammer verstand ebenfalls nicht genau, was ich wollte und
verband mich mit ihrem Chef. Der konnte mit einer "Gasthausbrauerei" wenig anfangen und
verband mich mit dem Justitiar.

Zwischen dem Justitiar und mir ergab sich dann im Verlauf der Unterhaltung folgender Dialog:

Er: "Sie möchten also auch Bier nach draußen verkaufen?"
Ich: "Ja, in Siphon-Flaschen und Partyfässern".
Er: "Dann müssen Sie Braumeister sein."
Ich: "Ich bin Diplom-Braumeister."
Er: "Prima, wenn Sie drei Jahre Berufspraxis haben......"
Ich: "Da fehlt mir noch ein halbes Jahr, wieso? Ich habe Brauwesen studiert in Weihenstephan."
Er: "Das können wir nur als gleichwertig akzeptieren, wenn Sie drei Jahre Berufserfahrung haben!"
Ich : "Ich habe aber die letzten 8 Monate als Braumeister und Produktionsleiter bei einer kleinen
Privatbrauerei gearbeitet! Hätte ich mich dann auch nicht Braumeister nennen dürfen???"
Er: "Sie sind Diplom-Braumeister?"
Ich: "Ja."
Er: "Also, Sie sind Diplom-Braumeister, NICHT MEISTER DES BRAUER- UND
MÄLZERHANDWERKS!"

An dieser Stelle blieb selbst mir die Spucke weg. Sowas hatte ich auch noch nie gehört.

Zum Glück fiel mir noch ein, daß in einer Gasthausbrauerei unweit von hier auch ein Diplom-
Braumeister werkelte, der keine 3 Jahre Praxis besaß (von der gleichen HWK genehmigt...).

Daraufhin verstrickte der Herr Justitiar sich in wirre Nebensätze und mein Projekt war "geduldet".

Meine Kollegen Handwerksmeister: Wenn diese Denkweise symptomatisch sein sollte für alle
Handwerkskammern, dann Gute Nacht......

Über das.....

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