Von Bier, Behörden und Banken     (Ralf Störzbach Lindenbräu Waldbronn)

Läuterruhe

Die Gedanken mussten gesammelt werden, Pläne neu an die veränderten Gegebenheiten
angepasst werden.

Ich nahm 4 Tage Auszeit, um mit meinem Gastronomieeinrichter die Zeichnungen zu
überarbeiten. An eine neue Kalkulation war schon lange nicht mehr zu denken, es musste
einfach getan werden, was nötig war.
Und schon ging's an's....

Abläutern

Trennung des Machbaren vom nicht Machbaren. Dabei habe ich festgestellt, daß im
Gegensatz zum geplanten Bauvorhaben auf der "grünen Wiese", bei dem schon im Vorfeld
jede Schraube exakt zugeordnet ist, ein Altbau, der auch sein urtümliches Ambiente
behalten soll, eher heranwächst.

Er reift sozusagen mit dem Fortgang der Bautätigkeit.
Man könnte sagen "planing while working". Das ist zwar nervenaufreibender aber dafür
ungleich spannender. Und die Freude ist unbeschreiblich, wenn mal wieder eine Idee
genauso herausgearbeitet ist, wie sie vorher im Kopf herumspukte.

Ich hatte keine zentrale Bauleitung, also war ich dies selbst in Personalunion als Maurer,
Gipser, Holzbauer, Elektriker, Zeichner usw. Man lernt einiges in dieser Zeit.
Z.B. daß man mit einem Schaufelbagger nicht quer zum Hang wenden darf, weil er sonst kippt.

Es gelang uns aber relativ schnell (mit einer mittleren Kompanie Helfer und Werkzeug), den
Bagger wieder aufzurichten, nachdem ich drunter hervorgekrochen war....



Außerdem lernt man verschiedene Mischungen Fugenmörtel anzusetzen, zu betonieren, eine
Sandsteinwand fachgerecht abzustrahlen etc. etc.

Wir sahen zwar abends aus, wie Bergarbeiter, die Arbeit machte aber weitgehend sehr viel
Spaß und das Ergebnis versöhnte mit allem.

Man lernt auch die Denkweisen diverser Handwerker zu verstehen. Z.B. den Elektriker, der
"das Kabel erst legen kann, wenn der Installateur den Durchbruch gemacht hat".

Und den Installateur, der "den Durchbruch macht, wenn der Architekt ihm sagt, wo".

Und den Architekt, der den Plan noch nicht hat, weil er grad mitten in einem wichtigen
Wettbewerb hängt.

Grundsätzlich sind Aussagen von Handwerkern zu interpretieren, denn sie meinen selten, was
sie sagen. So bedeutet etwa "wir kommen morgen" in Wirklichkeit "wir kommen frühestens
übermorgen, oder nächste Woche". Als nicht akzeptabel haben sich mit der Zeit "wir kommen
SO SCHNELL wie möglich" und "unser Lieferant hat Probleme" herausgestellt.

Nachdem alles langsam mit dem Neuaufbau anfing, kann man sagen, es folgte das.....


Seite 5 ausdrucken   Startseite