Von Bier, Behörden und Banken     (Ralf Störzbach Lindenbräu Waldbronn)

Abmaischen

Da ich keine Gelddruckmaschine im Keller hatte und sich schon abzeichnete, daß wir eine
knappe Million verbauen würden, versuchten wir natürlich, so viel wie möglich selbst
zu machen. Das hat einen Vorteil (man spart Geld) und einen Nachteil (man unterschätzt
permanent die Arbeit).

Nach ca. 3 Wochen Bauzeit wurde ich für den Satz: "Des isch glei gmacht..."
(Zu deutsch etwa: Das ist schnell erledigt) von meinen Bauhelfern mit hämischen
Bemerkungen abgestraft.

So lernt man schnell, daß die Wand, die man eigentlich in 3 Stunden "raushauen" wollte,
2 Tage harte Arbeit erfordert usw.

Es gibt nichts bodenloseres, als ein fast 300 Jahre altes Haus (das in dieser Zeit noch zigmal
umgebaut wurde) zu renovieren. Wir fanden Stahlträger von 1910, die sich um 5 cm durchbogen
und laut Statiker "jenseits der zulässigen Belastung" liegen.

Unverhofft auftauchende Holzbalken, die uns zu wiederholten Planänderungen zwangen.
Offizielle Baupläne des Anwesens, die alles darstellten, nur nicht die Realität.

Als wir tonnenweise Putz und Mörtel von den Wänden schlugen, entdeckten wir Risse im
Gemäuer, die dem Statiker beinahe Herzanfälle bescherten.

Da ruhten Stahlträger, die über 20 Tonnen Gewicht hielten, auf 5 cm breiten Ziegel-
steinchen, die schon beim bloßen Hinsehen zerfielen. Kurz, das Gebäude wurde von Putz
und Tapeten zusammengehalten.

Die Gesichtsfarbe meiner Verpächterin wechselte zusehends hin zu einem fahlen Weißton.

Nach etwa 3 Monaten war alles herausgerissen. Wir hatten knapp über 80 Tonnen Bauschutt
von Hand aus dem Haus geschaufelt (was meine Kalkulation um das 8,2 fache übertraf) und viel
mehr Zeit gebraucht, als erwartet.


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