Erfahrungsbericht eines deutschen Braumeisters in China   (2)
Von Dipl. Brmst. Gernot Berngruber, Lehrstuhl für Technologie der Brauerei I, Weihenstephan

Die technischen Details:
- Zweiwalzen-Schrotmühle
- 5 hl Zwei-Geräte-Edelstahlsudwerk, kupferverblendet, Sudpfanne dampfbeheizt, mit
  Maischautomatik und frequenzgesteuerter Läuterpumpe
- Whirlpool mit Dampf-Heizmantel, der gleichzeitig zum Bereiten des Anschwänz- und
  Sterilisationswassers für Würzeweg mit Plattenkühler und des Heißwassers für die
  Faßreinigung benutzt wird
- Gärkeller: Offener Anstellbottich und acht mantelgekühlte ZKGs a 10 hl mit Spitzkonus,
  die im Eintankverfahren betrieben werden und auch als Drucktanks dienen
- Kieselgur- Kesselfilter
- halbautomatische Kegreinigung, Befüllung von Hand
- Das Bier wird nach dem bayerischen Reinheitsgebot gebraut und ist nur im Keg
  als Helles oder Dunkles in den betriebseigenen Restaurants des Bauherren,
  der landwirtschaftlichen Erzeugerfirma DaDi (wörtlich: große Erde) erhältlich.

Natürlich habe ich nicht nur gearbeitet, sondern auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besichtigt und Sitten und Gebräuche meines Gastlandes kennengelernt. So standen der Platz des Himmlischen Friedens, der Kaiserpalast mit seinen offenen Plätzen und den vielen Dächern, Winkeln und Gassen, die nicht weit entfernte und wirklich kolossale chinesische Mauer und die Ming-Gräber, der Lamatempel und der Pekinger Zoo sowie ein Besuch in der zwei Zugstunden entfernten, etwas beschaulicheren Großstadt Tian Jin auf dem Programm.

Auch führte der Weg mit Taxi und Bus bisweilen durch weniger ansehnliche Viertel, in denen Armut und Elend herrschen, und es ist keine Seltenheit, daß neben glitzernden Neubauten baufällige, zum Teil halb eingefallene Ziegelsteinbaracken stehen, wo Menschen unter kaum vorstellbaren Bedingungen leben müssen.

Peking ist nicht nur die politische, sondern auch die kulinarische Hauptstadt Chinas. Aus allen Teilen des Landes und aus dem Ausland kommen die mannigfaltigen Köstlichkeiten, die man in den ungezählten Restaurants und an jeder Straßenecke angeboten bekommt. Neben dem hervorragenden Essen im Hotel konnte ich mich an Pekingente, Feuertopf, Original Kaiserlichen Leibgerichten, an Münchner Weißwürsten, Big Mac, mit allem möglichen gefüllten Teigwaren (Ravioli und schwäbische Maultaschen stammen aus China!) und zahlreichen nicht näher identifizierbaren Speisen gütlich tun.

Richtig exotische Kulinarien wie Hund, Katze, Maus habe ich - zumindest wissentlich - nicht verzehrt.

Besonders angenehm ist es, nach dem Essen zur "Massagi" zu gehen. Dort kann man sich, außer Haare schneiden auch massieren lassen und zwar alles: Kopf, Gesicht, Nacken, Schultern, Arme, Füße und Beine, bis auf - Sie vermuten es sicherlich - gewisse Körperteile in der Leibesmitte. Diese Prozedur kann bis zu zwei Stunden dauern und danach fühlt man sich wie neugeboren. Wenn man dann noch in das Pekinger Nachtleben eintaucht, gibt es nichts, was man nicht entdecken kann.

Zurück in die Brauerei. Endlich war es soweit. Der ersten beiden Sude waren reif zur Filtration. Durch einen geschickten Schachzug und Buddhas gnädige Hilfe hatte der Oberste Chef (Lao Ban) eingewilligt, den ersten Tank als Freibier - Hurra! - auszuschenken. Nachdem ich den mir nicht vertrauten Kieselgurfilter mit seinen Eigenheiten überlistet und die Schankanlage installiert hatte, konnte endlich der angenehmste Teil der Brauereiarbeit beginnen, die Verkostung dieses besten aller Getränke. Angestellte und Arbeiter strömten in Scharen ins Restaurant, um sich am DaDi-Bier zu ergötzen. Jetzt war ich froh, kein an Alkoholdehydrogenasemangel leidender Chinese zu sein, sondern ein deutscher Braumeister, der alle anderen mühelos unter den Tisch trinken kann. Apropos: Obwohl ein Durchschnittschinese wesentlich weniger Alkohol verträgt als ein Mitteleuropäer, neigen sie doch zum Kampftrinken.


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